Das Hecklinger Wappen
Botschaft-Symbolik-Zusammenhänge

1. Die Elemente unseres Wappens

Den letzten Anstoß zu dieser Serie erhielt Ihr Pfarrer im November 1998, als ihm nach einer Kirchenführung ein russischer Arbeiter, der mit einer Gruppe aus Moskau hier war, einige Kopekenstücke schenkte. Er deutete auf deren Rückseite und meinte: "Smotritje: Georgi, Georgi!" Tatsächlich, das dort gezeigte, nun wieder entdeckte Moskauer Stadtwappen ist unserem Hecklinger sehr ähnlich: Der Ritter Georg - hier, wie auch auf der großen Hecklinger Kirchenglocke eingeritzt: auf einem Pferd sitzend - durchbohrt den Drachen oder anders gesagt: den Lindwurm mit seiner Lanze.

Lassen wir einmal das Pferd beiseite, dann haben wir schon die drei Bestandteile unseres Wappens: den heiligen Georg, das Untier und die Waffe zu dessen Bezwingung. Das Wort "Waffe" kommt übrigens auch von "Wappen" (aus p wurde f; vgl. "Ich wappne mich."), denn "wapen" ist die Urform für sowohl "Waffe" als auch "Wappen". Die Wappen-Symbolsprache wurde im Laufe der Ritterzeit erforderlich, um die immer blech-"verpackteren" Kampfparteien unterscheiden zu können. Wappen sind also mittelalterliche "Logos", die zudem noch wichtige Botschaften rüberbringen wollten und vielleicht auch noch wollen...

Der Name "Georg" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Bauer", "Ackermann".

Wer aber war der Ritter Georg, durch den ja dieser Name seit der Zeit der Kreuzzüge auch für unser Deutschland sehr populär wurde?

2. Zur Person des Ritters Georg

Etwa 303 n.Chr. kam Georg von Kappadozien um, der dann später als "Großmärtyrer" der Ostkirche verehrt wurde, einer der 14 Nothelfer wurde, zum Schutzheiligen Englands aufstieg und vieles mehr. Schon früh wurde sein Leben in Legendenform zu beschreiben versucht: Demnach hatte er als römischer Legionär in verschiedenen Gegenden des Reichs gekämpft, war dann Christ worden, was ihm die Verfolgung durch den Kaiser Diokletian einbrachte. Auf grausamste Weise kam er dabei zu Tode.

Der Heilige Georg war auch ein Wundertäter. Als die libysche Stadt Silena von einem furchterregenden Drachen bedroht wurde, der täglich zuerst zwei Schafe, dann einen Menschen und schließlich die schöne Königstochter zum Fraß verlangte, tötete Georg das schreckliche Untier. Daraufhin ließen sich die Einwohner taufen.

Hintergrund dieser Sage könnte die griechische Legende der Rettung der Königstochter Andromeda vor einem Meeresungeheuer durch den Helden Perseus sein. Georgs Grab wird in Israel vermutet und noch heute von sowohl christlichen als auch muslimischen Gläubigen gehütet.

Mit den Kreuzzügen kamen die Georgssagen nach Westeuropa; Richard Löwenherz, König von England, brachte 1194 die Georgsverehrung in sein Land. Kaum ein Heiliger hat eine solch große Popularität auf solch großem Gebiet genossen wie der Ritter Georg. So lebt sein Andenken in vielen Wappen, Flaggen und Symbolen bis heute fort. Der Name "Georg" findet sich in Vornamen wie Jörg/ Jürgen, Jurij, Jurek, George wieder. Festtag des Heiligen Georg ist der 23.4.
 

3. Das Drachentötermotiv in der Wappenkunde

Das Motiv der heldenhaften Bezwingung des Untiers (Drache, Schlange, Lindwurm) durch einen begnadeten Helden oder gar Engel ist sehr weit verbreitet. Folgende Abbildungen zeigen vier dem Hecklinger Wappen verwandte heraldische Grundtypen zu diesem Motiv.

Ursprung dürfte zum einen der Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen (= Satan) sein, wie er am Ende der Bibel anklingt (Offenbarung 12, vgl. auch Daniel 10 u. 12). Alles Weitere ist dann jeweils volkstümliche Ausschmückung und Interpretation des Gedankens, daß das Böse, das Menschenopfer (vgl. Teil 2) fordernde Heidentum, durch den Glauben an Jesus Christus überwindbar ist.

Michael als Drachentöter mit Schwert oder mit Lanze ist z.B. in den Wappen von Brüssel, Jena, Buttstädt oder Zeitz dargestellt. Georg als Drachenbezwinger zu Pferde ist in Städtchen wie Mansfeld, Nebra, Schwarzenberg oder Rötha zum Wappensymbol geworden. Georg ohne Drachenkampf erscheint z.B. im Wappen von Eisenach. Eine weitere Variante der Untierbezwingung ist mit der Heiligen Margarete verknüpft, so bei den Wappen von Kahla und Stadtlengsfeld.
 

4. Die Botschaft des Sieges über den Drachen

Der Drache ist ein Wappensymbol, das schon in grauer Vorzeit, ähnlich wie Lilie, Adler oder Kreuz gebräuchlich war. Es ist erstaunlich, wo überall Drachen, die ja einige Charakteristika der Dinosaurier besitzen, in Legenden und Mythen auftauchen. Bekanntlich ist auch in Asien - vor allem in China - der Drache eines der Hauptsymbole der Volksüberlieferungen.

Blicken wir auf unsere kulturellen Wurzeln, dann hat der Drache etwas mit dem Anfang der Bibel zu tun, wo er als Schlange auftritt. Im 3. Kapitel des "Buches der Bücher" wird der verführerischen Schlange angekündigt, daß ihr ein "Nachkomme der Eva" den Kopf zertreten würde. Unterstrichen wird diese von den Theologen als "Urevangelium" bezeichnete Botschaft dadurch, daß der semitische Wortstamm von "Drache": D-R-CH, fließend in die Wortbedeutung "zertreten" übergeht!!!

Die prophetische Ankündigung von der Überwindung des Drachens durch einen Helden - christlich: Jesus - hat sich offensichtlich in den Legenden der Völker niedergeschlagen und ist zur variantenreichen Drachenkampf-Story geworden. So nimmt es unter diesem Blickwinkel nicht wunder, daß z.B. aus der Georgs-Legende wiederum im 16. Jahrhundert die Siegfried-Drachenkampfsage entstand, die dann nachträglich in das Nibelungenlied eingefügt wurde.
 

Wappen der Stadt Jena

Wappen der Stadt Zeitz

5. Hecklingen und sein Wappen

Das Wappen unseres Städtchens hängt eng mit dem Bau der Klosterkirche Sankt Georg und Pancratius zusammen. Erste Vorbilder unseres Wappens könnten in Georgsdarstellungen aus dem 10. Jahrhundert im Bereich der Ostkirchen (orthodoxe Richtungen) ausgemacht werden, wo Georg in byzantinischer Hoftracht meist zu Pferde abgebildet ist. In Hecklingen findet sich dies auf der ältesten Kirchenglocke, doch hat sich im Lauf der Zeit die Variante durchgesetzt, den stahlblau gerüsteten Ritter Georg stehend, linksgewandt einem auf dem Rücken liegenden grünen Lindwurm (= 2 Füße, Drache meist 4 Füße) die Lanze in den Rachen stoßend abzubilden.

Eine Jungfrau-Rettungsgeschichte, wie sie als Variante der Georgssage (vgl. Teil 2) z.B. sogar für Nebra erzählt wird, gibt es in Hecklingen bislang noch nicht. Doch wenn man unser Wappen am Feuerwehrhaus oder an der Rathausecke studiert - wo der Lindwurm ziemlich dick geraten ist - liegt die Vermutung nahe, daß das Urviech hier leider schon vor dem Kampf ein gutes Frühstück hatte...

Spaß beiseite: Das Hecklinger Wappen ist aus dem seit 1618 so bezeugten Gemeindesiegel hervorgegangen. Bei der Stadtwerdung (1928) wurde kein neues Wappen kreiert, sondern dieses Siegel übernommen.


Wappen der Stadt Mansfeld

Wappen der Stadt Stadtlengsfeld

6. Zur aktuellen Botschaft des Hecklinger Wappens

Symbole und ihre Deutungen, Verschlüsselungen und entschlüsselnde Offenbarungen haben die Menschen aller Zeiten beschäftigt. Leider kann Gedankenlosigkeit zu Mißbrauch und Unsinnigkeit führen, wenn man sich nicht mehr Rechenschaft dafür ablegt, was eigentlich Abzeichen, Ketten-Anhänger Sticker, Buttons u. dgl. für eine Aussage transportieren. Viele hängen sich ein Kreuz um und denken sich nichts weiter dabei... Auch mit dem Drachentötermotiv ist schon manch Schabernack getrieben worden: Von einem DDR-Karikaturisten gibt es eine Zeichnung, wo Georg einen Papierdrachen mit der Lanze zersticht. Saddam Husseins Sohn zierte das Deckblatt seiner Doktorarbeit mit einem Schimmelreiter (sein Vater), der eine Schlange (vermutlich ein Symbol für die USA) aufspießt.

Dennoch besitzt der immer wieder dargestellte Ritter Georg in seiner das Untier besiegenden Pose durchaus Bedeutung für unsre Zeit:

Ein von Gott begnadeter Mensch überwindet das Unmenschliche, indem er den höchsten Repräsentanten tierisch-grausamer Lebensart aus der Welt schafft. Das heißt, jene Menschen handeln "artgerecht", ja ARTig wie Jesus, die ihre Menschlichkeit nicht verraten, sondern vielmehr als Kriterium entfalten und zum Einsatz bringen, wo Böses und Gemeines, Hinterhältiges und Grausames, Verlogenes und Zerstörerisches zu bekämpfen ist.

Das Hecklinger Wappen ist demnach ein ständiger Ansporn, als Mensch Ebenbild Gottes zu sein und zu bleiben, also menschen-würdig und ver-antwort-lich zu leben Die Bibel kündigt in ihrem letzten Buch, der Apokalypse, eine Endzeit unter "dem Tier" (!) an. Schlußfolgerung: Setzen wir alles daran, im Finale der Weltgeschichte auf der Seite des wahren Menschen, des "Menschen-Sohnes" Jesus Christus zu stehen. Er hat die Bestie und alle Wirkungen des "Tieres" überwunden.